Auf dem Kalender steht Merz: Zeit für den Frauen*kampftag

 „Wenn wir zusammen gehen, geht mit uns ein schöner Tag

durch all‘ die dunklen Küchen, und wo grau ein Werkshof lag,

beginnt plötzlich die Sonne unsere arme Welt zu kosen

und jeder hört uns singen: Brot und Rosen! Brot und Rosen!“

 

Die Geschichte des Internationalen Frauen*tags geht bereits mehr als 100 Jahre zurück. Und seit 1912 wird er von der Hymne „Brot und Rosen“[1] begleitet. Aber haben wir langsam nicht all das erreicht, wofür die Frauen* der Vergangenheit auf die Straße gegangen sind?

 

Einer der wichtigsten Beweggründe war die Forderung des gleichen Lohns für die gleiche Arbeitsleistung. Diesem Ziel rücken wir teilweise immer näher. Und heutzutage besetzen auch viele weiblich gelesene Personen Führungspositionen und man findet sie auch immer öfter in den einst typisch männlichen Berufen. Hiervon scheinen sich aber viele Männer ungerecht behandelt. Wir würden die guten Stellen demnach nur hinterhergeworfen bekommen – dank der Frauenquote. Naja ganz so ist es nicht. Denn wenn wir alle nicht in einer patriarchalen Gesellschaft aufgewachsen wären, dann würden wir eben diese gar nicht benötigen. Leider können wir dies aber nicht rückgängig machen und durch die stetig wachsende Emanzipation der Frauen* fühlen sich viele Männer eingeschüchtert und dessen Ego wird nicht selten verletzt. Letztlich liegt der Gender Pay Gap aber auch im Jahr 2025 noch nicht bei 0%, sondern bei 6% (bereinigter Gender Pay Gap)[2].

 

Ein weiteres wichtiges Anliegen der frühen Frauen*bewegung war die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs - der allseits bekannte §218 StGB. Von einer Legalisierung kann hier aber nicht unbedingt die Rede sein. Noch während der letzten Regierung ist die Reform des Abtreibungsrechts, welcher den Schwangerschaftsabbruch in den ersten 12 Wochen legalisieren soll, gescheitert.[3] Immer wieder frage ich mich bei dieser Thematik, was dagegen sprechen sollte einer schwangeren Person die volle Kontrolle über Ihren Körper zu geben. Aber das entspricht einfach nicht unserem demokratischen Bild einer Frau*. Wie soll auch die Rente weiter bezahlt werden wenn Abtreibungen nun immer weiter vereinfacht werden? Der demografische Wandel überrollt uns. Und was ist mit den ganzen Therapeut*innen und Sozialarbeiter*innen, die haben bald nichts mehr zu tun, wenn man ungeplante Schwangerschaften in Fällen von Drogenmissbrauch, Vergewaltigung und schlimmen häuslichen Situationen wirklich verhindern kann. Wir müssen doch wirklich mal an die Wirtschaft und all diese Jobs denken!

 

Zumindest dürfen wir seit einigen Jahren schon wählen gehen, auch wenn manch ein Politiker, die Richtigkeit in der letzten Wahl wieder angezweifelt hat. So postete der CDU-Politiker Gundolf Siebeke „Sollte es so sein, das Frauenstimmen den politischen Heiratsschwindler Robert H. ins Kanzleramt hieven und damit Deutschland über die Klippe, muss über das Frauenwahlrecht inoffiziell, über antiemotionalen Demokratieunterricht offiziell nachgedacht werden.“[4] Autsch. So etwas von einem Politiker zu lesen, aus dessen Partei die erste deutsche Bundeskanzlerin stammt, tut weh und macht sauer. Lieber Gundolf, ich denke da sind wohl deine Emotionen mit dir durchgegangen, sonst hättest du vielleicht nochmal über das Veröffentlichen des Posts nachgedacht. Der Politiker selbst hat zwar den Post gelöscht, von der Partei, die auch bei dieser Wahl viele weibliche Stimmen abgesahnt hat, gab es nie ein Statement hierzu.

 

Um die Frage also ganz banal zu beantworten: Nein, wir haben noch nicht alles erreicht, für das wir Frauen* seit nun mehr als 100 Jahren kämpfen. Und ja es ist ein kämpfen, solange der Großteil der Gesellschaft sich gegen uns stellt, zu viele Femizide und Vergewaltigungen unbestraft bleiben und wir uns weder auf der Straße noch Zuhause sicher fühlen können.

 

[1] https://www.brot-und-rosen.de/detail.details+M500d5d597d9.0.html

[2] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/02/PD25_056_621.html

[3] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/schwangerschaftsabbruch-paragraf-218-102.html

[4] https://www.fr.de/politik/emotional-und-labil-cdu-politiker-hinterfragt-frauenwahlrecht-und-attackiert-habeck-zr-93410195.html

Kommentar schreiben

Kommentare: 0